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Die ersten geschichtlichen Nachrichten über die Neumark

Das Land nördlich der unteren Netze und Warthe und östlich der Oder ist seit alten Zeiten deutscher Boden. Hier wohnten viele hundert Jahre vor der Völkerwanderung die Burgunder, Rugier und Lugier. Ihrem Wandertriebe folgend, verließen diese kriegerischen Stämme ihre Wohnsitze und zogen in südlichere Länder. Darauf traten slawische Völker ihr Erbteil an. Auch sie bestanden wie die Germanen aus vielen größeren und kleineren Stämmen. Zu festen staatlichen Gebilden konnten sie sich wahrscheinlich erst in späteren Jahrhunderten entwickeln. Begegnen uns zwar auch schon zur Zeit der ersten Kämpfe der Germanen mit den Slaven an der Elbe die Namen Pommer und Polen, so bezeichnen diese doch mehr die Lage der Wohnsitze dieser slawischen Bevölkerung als etwa schon entwickelte und völlig abgeschlossene Staaten. So haben wir unter den Namen der Pommern oder Pomeranen die am Meere Wohnenden und unter den Polen die auf den weiten, ebenen Felde Wohnenden zu verstehen.

 

In späteren Zeiten kam es jedoch zu einer schärferen Abschließung dieser beiden slawischen Völkergruppen, aus der örtlichen Abgeschlossenheit entwickelte sich eine völkische Trennung. Zwischen diesen beiden Gruppen saßen in unserer engeren Heimat der nördlichen Neumark noch viele kleine slawische Stämme. Zu dem nördlichen Teile des Soldiner Kreises wohnten die Lippehner, westlich davon die Kienitzer, am Einfluss der warthe in die Oder die Küstriner und in einem großen Teile des jetzigen Landsberger Kreises die Zantocker. In dem Lande Lebus und wahrscheinlich auch in dem Sternberger Lande wohnten die Leubuzzen.

 

Mit der fortschreitenden Staatenbildung der Polen und Pommern kam es naturgemäß zu heftigen Grenzstreitigkeiten, unter welchen besonders die zuletzt genannten kleineren Völkerschaften zu leiden hatten. Je nachdem das Kriegsglück zwischen den beiden großen Brüder entschied, gehörten sie bald zu den Pommern, bald zu den Polen. So blieb das Land ein Streitobjekt, bis es später dem stärkeren Markgrafen von Brandenburg als Beute zu viel. Die Kämpfe zwischen den Polen und Pommern drehten sich fast alle um den Besitz der Grenzburgen an der Warthe und Netze. Zantoch, Filehne, Usch und Rakel werden dabei oft erwähnt. Etwa um das Jahr 1080 zogen die Polen weit in das Pommernland hinein, bis an die Meeresküste; die Pommern jedoch zwangen sie zum Rückzuge, bis sie wiederum bei Driesen von jenen aufs Haupt geschlagen wurden.

 

Hundert Jahre später nahmen die Kriegszüge, die anfänglich besonders gegen Ostpommern gerichtet waren, eine mehr westliche Richtung an.

Nach den Kriegssitten jener Zeit zeigten sich die Folgen der entsetzlichen Verwüstungszüge noch lange danach. Als im Jahre 1124 der Bischof Otto von Bamberg diese Gegend durchzog, sah er mit seinen Begleitern noch überall die Trümmer und Ruinen ehemaliger Ortschaften. War die Neumark wegen des großen Waldreichtums schon an und für sich ein dünn bevölkertes Land, so war sie jetzt fast ganz entvölkert.

 

Otto von Bamberg unternahm seine Missionsreise nach Pommern auf Bitten des Polenherzogs, der mit seinem Volke längst die christliche Lehre angenommen hatte und nun den frommen Wunsch hegte, auch seine Feinde zu belehren. Durch den Bischof und seine Begleiter, die von Knesen aus – der damaligen Hauptstadt Polens – über die Netze nach Pyritz, also direkt durch neumärkisches Gebiet zogen, erfahren wir nun genauere Nachrichten über die damaligen Zuständige in unserer Heimat: „Der Weg führte durch dunkle Wälder, durch welche die Polen behufs der nach Pommern zu unternehmenden Kriegszüge einen Durchgang hatten hauen lassen. Die Reise war schwierig. An sumpfigen Stellen sanken oft Wagen und Pferde tief ein. Eine Menge Schlangen, wilder Tiere und Kraniche, die ein ungewohntes Geschrei erhoben, beunruhigte die Reisenden. – Anfangs ging die Reise nur durch Dörfer, die in dem letzten Kriege zerstört waren. Jedoch kamen schon von der Grenze an bis Pyritz hin ihnen mehrere Menschen entgegen, welche zur Annahme des christlichen Glauben bereitwillig waren. Von dem Bischofe wurden dreißig von ihnen getauft.“ Das waren also die ersten Christen in der bis dahin heidnischen Neumark. In Pyritz, wohin die Bewohner aus der ganzen Umgegend zusammen geströmt waren, betrug die Zahl der Getauften an 7000. Von einer eigentlichen Christianisierung der Neumark zu dieser Zeit kann natürlich nicht die Rede sein. erst einige Jahrhunderte später, als dieses Land durch die Deutschen vollständig kolonisiert war, konnte das Christentum festen Boden fassen.

 

Die Kämpfe zwischen den Polen und Pommern hörten damit jedoch nicht auf. Jedenfalls steht fest, dass es den Polen unter ihrem Herzog Boleslaw gelang, die ganze nördliche Neumark sowie das Land Sternberg und Lebus in ihren unmittelbaren Besitz zu nehmen. Als jedoch im Jahre 1138 Beleslaw starb, zerfiel das polnische Reich nach und nach in kleine Teilfürstentümer, sodass die Gefahr, welche dem Deutschtum damals durch die Gründung einer polnischen Großmacht drohte, die von den Karpaten bis zur Ostsee reichen sollte, für immer beseitigt war. Über ein Jahrhundert sind die Geschichte der Neumark in Dunkel gehüllt, bis es dem vom Westen vorrückenden Deutschtum gelang, dieses Land zu erwerben und damit dem Slawentum zu entreißen.