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Die Kienstubben am Bellinchener Kirchturm

Vor vielen hundert Jahren gab es in der Neumark noch wahre Urwälder. Wer sich nicht in ihnen zurechtfinden konnte, kam gar leicht in die Gefahr, sich vollständig zu verirren. Auch in der Gegend von Bellinchen an der Oder. unterhalb Zehden, war ehedem weiter nichts als großer Wald. Eines Tages ritt eine Gräfin mit ihrem Gefolge auf die Jagd, Ihr Reitpferd war ein guter Renner, und bei der Verfolgung einer Hirschkuh verlor die Gräfin ihr Gefolge im Waldesdickicht. Es brach der Abend herein, aber sie konnte ihr Jagdgefolge nicht finden. Zwei Tage irrte sie hin und her und sättigte sich mit Beeren des Waldes. Als der Morgen des dritten Tages anbrach und sie einige Stunden den Ausweg gesucht hatte, da sah sie plätzlich einen frisch abgehauenen Kienstubben liegen. Da wurde ihre Hoffnung neu belebt, und sie dachte, hier müssen doch irgendwo Menschen wohnen. Sie stieg herab von dem Pferde und band es an einem Baume fest. Sie selbst setzte sich auf den Kienstubben nieder und wartete, ob nicht jemand kommen würde, der ihr helfen könnte; denn sie war matt und konnte kaum weiter. Als sie sich näher umblickte, sah sie noch mehrere Baumstämme liegen, die frisch gefällt waren; da wurde ihre Hoffnung noch größer. Nach einer Stunde kamen auch wirklich Leute, das waren Waldarbeiter aus dem nahegelegenen Dorfe Bellinchen, die zeigten ihr den rechten Weg, und sie kam glücklich heim. Aus Dankbarkeit hat sie darauf die Kirche in Bellinchen gebaut und dem Orte ihr ganzes Vermögen vermacht. Zum Andenken und ewigen Gedächtnis an sie hat man am Kirchturm statt eines hohlen Metallknopfes den abgerundeten Kienstubben, auf welchem die Bellinchener die Gräfin sitzend fanden, angebracht, und der sitzt noch dort oben bis auf den heutigen Tag.