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Die Sage vom Teufelssee

Diese Sage will uns von einem verschwundenen Dorfe, das Linde geheißen haben soll, erzählen.

 

Nicht weit ab von dem waldumgebenen Landstädtchen Woldenberg liegt ein kleiner Teich, der den Namen „Teufelssee“ führt. Früher soll er, wie es auch die ihn umgebende Wiesenniederung vermuten lässt, bedeutend größer gewesen sein. Dieser kleine See soll sehr tief und fischreich sein.

 

Unsere Sage berichtet nun, dass hier vor tausend Jahren ein reiches Dorf mit einer Kirche gestanden habe. Der Boden ringsum ist noch heute sehr fruchtbar und beut den fleißigen Ackersleuten reichen Ernteseegen dar. Die Bewohner damaliger Zeit hatten oft unter großen Mangel an Trinkwasser zu leiden. In einem trockenen Jahre wurde die Not so groß, dass die Leute das Wasser für Menschen und Vieh von fern herbeitragen musste. Die Brunnen trockneten vollständig aus, und als man an anderen Stellen neu grub, blieb die Arbeit ohne Erfolg.

 

Da kam eines Tages ein alter Mönch in grauer Kutte daher gepilgert. Er bat um Geld und Lebensmittel, aber niemand wollte ihm etwas geben. Da schalt er die hartherzigen Bauern und sagte, dass er die Macht und auch die Absicht besäße, ihnen zu helfen. Nun versprachen sie ihm große Geldsummen, wenn er ihnen helfen und ihnen klares und trinkbares Wasser verschaffen würde.

 

Unter der Leitung des alten Mönches wurde jetzt von den Dorfbewohnern ein großer Brunnen gegraben. Man war noch gar nicht tief in die Erde gedrungen, als plötzlich frisches und klares Quellwasser hervorsprudelte. Das Wasser floss in so reichlichem Maße, daß es vollkommen ausreichend für das ganze Dorf war. Auf Anordnung des Mönches wurde die kostbare Quelle durch ein Mauerwerk eingefasst. An einer Seite wurde eine große Öffnung angebracht, die aber für gewöhnlich geschlossen bleiben sollte.

 

Als nun die Bewohner zusammenkamen, um den Mönch zu bezahlen, kam es der Beiträge wegen zwischen ihnen zu großen Streitigkeiten. Einige Geizhälse wegerten sich überhaupt, den auf sie fallenden Betrag zu entrichten, andere wieder wollten weniger dazu beisteuern, denn sie meinten, sie hätten einen kleinen Haushalt und sie brauchten daher auch weniger Wasser. Nur einige Beständige wollten ihr Versprechen halten und ihr Teil zahlen. Als der Mönch das sah und hörte, ward er unwillig und verließ entrüstet und zornig das Dorf.

 

Ein Jahr darauf feierten die Bewohner des Dorfes ein großes Fest. Drei Tage hindurch wurde gezecht und geschmaust, gejubelt und getanzt. Als man sich am dritten Abend endlich müde und ermattet zur Ruhe legte und in der Nacht keine Menschenseele im Dorf wach war, erschien der Mönch, welcher den undankbaren Dorfbewohnern das Wasser gespendet hatte. Er öffnete den Brunnen und schlug das Loch mit einem Hammer noch größer. Da rauschte und strömte das Wasser wie aus einem Bergstrom hervor. Bald war das ganze Dorf uns eine Umgebung überschwemmt. Die schlaftrunkenen Bewohner versuchten zwar, sich zu retten, aber sie gingen unter mit ihrer ganzen Habe. Ihre Häuser stürzten ein, und die Kirche versank.

 

In jedem Jahr am 24. Juni kann man noch heutigen Tages den Klang der Glocke vernehmen, und bei schönem Wetter wollen manche sogar in den spiegelklaren Fluten des Sees die Kirche, wohl auch das ganze untergegangene Dorf gesehen haben. An jedem Johannistage erscheint auch auf der Oberfläche des Wassers eine Seejungfer und stößt einen Warnungsruf aus. Wer sie sieht und ihre Stimme hört, muss nach dem Glauben des Volkes noch in demselben Jahre sterben.

 

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